Leerstand ab Hof!

Strategien für einen Umbau in der Landwirtschaft
12.-13. Oktober 2017
Innervillgraten | Osttirol

Zum sechsten Mal veranstaltete das Architekturbüro nonconform die Leerstandskonferenz – ein Think Tank für Fragen und Strategien im Umgang mit Leerstand. Nicht nur Architektur und Nachnutzung von Leerständen werden besprochen, sondern die ganzheitliche Darstellung und Diskussion einflussgebender Faktoren sowie der direkte Austausch der verschiedenen Perspektiven der Teilnehmenden und Referierenden sind Intention der Veranstaltungsreihe, die seit 2011 fast jährlich an wechselnden Orten mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten stattfindet.Die 6. Leerstandskonferenz widmete sich dem brandaktuellen und vielfach interdisziplinär diskutierten Thema: »Landwirtschaft und Leerstand«.

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„Wir sind stolz, dass unsere Gemeinde Austragungsort der 6. Leerstandskonferenz war. Ziel mit dieser Veranstaltung war es, nicht nur eine Sensiblisierung des Themas Landwirtschaft in der Gemeinde, sondern auch in den Medien in Gang zu setzen. Dies ist uns gelungen! Viele kreative Umnutzungskonzepte wurden während der Konferenz präsentiert, die wir uns gut für das eine oder andere leer stehende Gebäude in Innervillgraten vorstellen können.“
Josef Lusser
Bürgermeister von Innervillgraten

Leerstand in der Landwirtschaft

Während urbane Räume mit einem ständigen Wachstums-Boom konfrontiert sind, sieht sich der ländlich geprägte Raum vor eine ganz andere Herausforderung gestellt. Ländliche Regionen jenseits der Metropolen sind von Abwanderung betroffen. Es ist vor allem die junge Bevölkerung, die es aufgrund von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zumeist in ein städtischeres Umfeld zieht. Zurück bleibt die ältere Generation und mit ihr die Ungewissheit über die Zukunft am Land. Für viele landwirtschaftliche Betriebe herrscht seit Jahren ein Zwang zum Wachstum. Finanzieller Aufwand und steigender Arbeitsdruck führten dazu, dass mehr als die Hälfte aller Höfe in Österreich keine Vollerwerbsbetriebe mehr sind. Wenn die junge Bevölkerung wegzieht, ist die Nachfolge am Hof meist ungewiss. Damit geht häufig eine Überforderung der Eigentümer mit der Zukunft des eigenen Hofs einher: Welche Optionen gibt es: Abbruch? Sanierung? Nachfolgesuche außerhalb der Familie? Dem Verfall überlassen? Oder gibt es realistische alternative Nutzungen für solche Objekte? Mit dem Abriss eines alten Bauernhauses geht nicht nur ein historischer Bautyp, sondern auch eine Ressource der Kulturlandschaft verloren.

Diesem Thema widmet sich die diesjährige Leerstandskonferenz, die bereits zum sechsten Mal vom Architekturbüro nonconform veranstaltet wird. Gemeinsam mit dem Lienzer Raum- und Regionalplaner Thomas Kranebitter und in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen der Region, hat das nonconform Team ein abwechslungsreiches Programm an einem beispielgebenden Ort zusammengestellt. Diesmal ist die Konferenz nach Stationen in Oberösterreich, Steiermark, Niederösterreich und Kärnten in Osttirol zu Gast. Die alpine Osttiroler Gemeinde Innervillgraten liegt in einem Naturparadies, das sehr von Landwirtschaft geprägt ist. Diese Bewirtschaftung in der jetzigen Form zu erhalten, ist eine echte Herausforderung für die Menschen vor Ort. Die Region hat – wie viele periphere Gebiete in Österreich und Deutschland – mit Abwanderung zu kämpfen und versucht Gegenstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Einzelne bemerkenswerte Impulsprojekte wurden umgesetzt und eröffnen eine neue Zukunftsperspektive für die Bewohner und Gäste der Region.

Gemeindesaal Innervillgraten und ‚Giatla Haus‘ im Ortsteil Kalkstein
Gasse 78, Kalkstein 154
9932 Innervillgraten
Tirol | Österreich
Die Gemeinde Innervillgraten liegt im inneren Teil des vom Villgratenbach durchflossenen Villgratentals, das vom Pustertal abzweigt. Neben dem dörflichen Zentrum, das sich um die Pfarrkirche konzentriert, besteht die Gemeinde aus weit verstreuten Höfen (Streusiedlung) und dem Kirchweiler Kalkstein auf 1640 m Seehöhe. Die westliche und südliche Gemeindegrenze ist zugleich die Grenze zu Südtirol. Aufgrund seiner exponierten Lage (Durchbruch ins Pustertal) ist das Tal erst seit 1956 ganzjährlich erreichbar.
Innervillgraten ist einer der letzten Orte in den Alpen, der noch weitgehend unberührt ist. Es gibt keinen Schilift, keine Massen-Gastronomieburgen, keine verschrobene Bauernhausarchitektur, hinter der sich tausende Gästebetten verstecken, keine Massenattraktionen.