Konzept - Leerstandskonferenz

Konzept

Dass in Architektur- und Stadtplanungsprojekten – sofern sie überhaupt jemals zur Realisierung gelangen – von den ursprünglichen Ideen und Konzepten oft nur ein Bruchteil übrig bleibt, ist eine alltägliche Erfahrung: unvereinbare Interessen führen zu faulen Kompromissen, ungeahnte Ereignisse machen die Realisierung unmöglich, alles, was das Projekt ausmacht, fällt dem Rechenstift zum Opfer, die Auftraggeber verlieren das Interesse ...

Hinter „Architekturen des Scheiterns“ verbergen sich mitunter aber auch imposante, besonders ambitionierte oder auch tragisch-komische und absurde Gebäude mit besonderen Eigenschaften: das Unvollendete, das ohne jemals der eigentlichen Bestimmung zu dienen Umgenutzte, die neue Ruine, das Scheidungshaus, das im Planungsprozess völlig Umgeworfene und Umgeplante, das plötzlich neuen Rahmenbedingungen Unterworfene, das Verhinderte ... Manche Projekte bleiben unaufgelöst gescheitert, andere wachsen über den Umweg eines ersten Scheiterns über sich hinaus oder finden eine neue Bestimmung. Wenn man an historische Beispiele denkt, sind im Nachhinein oft besonders einzigartige Architekturen aus nie fertiggestellten Bauten entstanden.

Prozesse des Scheiterns werden allerdings nur selten analysiert. Dabei könnte man von „worst-practice-Projekten“ oft mehr lernen als von aalglatten oder zumindest als solche präsentierten „best-practice-Prozessen“, weil gerade an den Hürden und Schwierigkeiten die Knackpunkte greifbar werden.

Ein entspannter Umgang und eine bewusste Integration des Scheiterns in Planungsprozesse hätten nicht nur Auswirkungen auf den architektonischen Entwurf sondern ebenso auf die Konzeption übergeordneter Strukturen und Strategien. Das mögliche Scheitern in der Planung zu antizipieren und mitzudenken, könnte etwa dazu führen, eine Planungskultur der Fehlerfreundlichkeit zu entwickeln, die z.B. aufgrund der Nutzungsoffenheit und Umbaufähigkeit den Bau neuer Ruinen und damit auch neuer Leerstände vermeidet. Und nicht zuletzt hat die Frage danach, woran etwas scheitert, auch das Potenzial die Sachzwänge und die Strukturen innerhalb derer diese verwaltet werden, klarer zu benennen und damit wesentliche Fragen nach den Herstellungsbedingungen von Architektur und Planung zu stellen.